Das herzzerreißende Ende der Tragödie
English translation following German version
Die Erzählung einer tragischen Liebe
Romeo und Julia ist die Geschichte einer großen Liebe, die an äußeren Umständen zerbricht und im Tod ihre Vollendung findet. Die Tragödie erzählt von zwei jungen Liebenden in Verona, deren Liebe an der Feindschaft ihrer Familien scheitert.
Die Ausgangssituation: Die reichen und einflussreichen Familien Montague (im italienischen Drama “Montecchi” genannt) Und Capulet (Julias Familie) sind seit langem verfeindet. Der Hass zwischen ihnen bestimmt das Leben in der Stadt Verona
Die Begegnung: Romeo Montague, geht maskiert und zunächst unerkannt auf ein großes Fest der Capulets. Dort trifft er Julia. Die Beiden verlieben sich auf den ersten Blick, ohne die Herkunft ihres Gegenübers zu kennen. Im Ballett: Der erste große Pas de Deux.
Auf Drängen Romeos erklärt sich dessen Freund, der Mönch Bruder Lorenzo, bereit, Romeo und Julia heimlich zu trauen. Die Hoffnung der Beteiligten, die große Liebe des jungen Paares könnte die Familien versöhnen. Doch das Gegenteil geschieht.
Die Katastrophe beginnt: Bei einer Begegnung der verfeindeten Gruppen der Familien provoziert Julias Cousin Tybalt den Romeo und fordert ihm zum Duell heraus. Doch Romeo weigert sich. An seiner Stelle nimmt sein enger Freund Mercutio den Kampf gegen den Capulet auf und wird dabei von Tybalt getötet. Romeo greift daraufhin zum Degen, tötet Julias Cousin und flieht aus der Stadt. Anschließend wird er für seine Tat in die Verbannung geschickt.
Zunehmende Ausweglosigkeit: Über den Tod des Cousins und die unabsehbar lange Trennung von ihrem Geliebten fällt Julia in eine tiefe Depression. Ihre Eltern beschließen daraufhin, dass sie den Paris heiraten soll, den sie natürlich nicht liebt. Julia verweigert sich.
In ihrer Hoffnungslosigkeit vertraut sie sich Bruder Lorenzo an, der ihr seinen Plan vorlegt, mit dessen Hilfe die Hochzeit mit Paris verhindert und beide Familien miteinander versöhnt werden sollen. Julia soll einen Schlaftrunk zu sich nehmen, der sie für einige Zeit in einen todesähnlichen Schlaf versetzen wird. Die angeblich tote Julia wird zunächst unter großer Anteilnahme in der Familiengruft der Capulets neben dem Leichnam ihres Cousins Tybalt aufgebahrt.
Das tragische Ende: Leider hat Lorenzo Romeo nicht rechtzeitig von seinem Plan unterrichtet. Der junge Montague erfährt am Stadtrand von Verona vom Tod seiner Geliebten jungen Braut. Er eilt zur Totengruft der Capulets, wo er die schein-tote Julia findet, si aber für tot hält. In seiner tiefsten Verzweiflung nimmt er Gift und stirbt neben ihr. Darauf erwacht Julia und findet ihren toten Geliebten und tötet sich mit dessen Dolch.
Im Angesicht des grausamen Endes dieser Liebesgeschichte erkennen die Familien Capulet und Montague die Sinnlosigkeit ihres Hasses. Doch die Versöhnung kommt für Romeo und Julia zu spät.
Die italienischen Ursprünge (15.–16. Jahrhundert)
Die gradiose Geschichte von Romeo und Julia basiert NICHT auf historisch überprüfbaren Tatsachen. Zwar gab es in Verona die zwei reichen Familien, die Capuleti und Montecchi, aber die sollen zum einen nie so verfeindet gewesen sein, wie im Drama beschrieben, noch gibt es Hinweise, dass sie Kinder mit Namen Romeo und Giuletta hatten. Bandello und da Porto griffen mit ihren Novellen wohl eher in ihrer Zeit verbreitete gesellschaftliche Vorbehalte und Vorurteile auf, die letztlich von Leonard Bernstein in seiner “West Side Story” noch 400 Jahre später thematisiert wurde.
Luigi da Porto (ca. 1530) schrieb die erste bekannte Fassung von Romeo und Giulietta und ihrer Familien, den Montecchi und Capuleti. Auch diese erste Version spielt in Verona
Matteo Bandello Erzählt die Geschichte in Form einer Novelle neu und verbreitet die Geschichte “über den tragischen Tod zweier unglücklicher Liebender Romeo und Giulietta – La sfortunata morte di due infelicissimi amanti, Novelle II,9″ (Quelle Wikipedia) – weiter in Europa
Von Italien aus fand die berührende Liebesgeschichte in der Form von Bandellos Novelle den Weg nach England in Form von Übersetzung und Bearbeitung etwa von William Painter
Arthur Brooke veröffentlichte seine Fassung der „Tragical History of Romeus and Juliet“ (1562), die zur wichtigsten Quelle für William Shakespeare werden sollte. Der hielt sich weitgehend an die von Brooke (und den italienischen Vorgängern) erdachte Handlung, baute sie aber noch weiter aus.
Shakespeare wiederum entwickelte die einzelnen Charaktere, vor allem die Randfiguren, verdichtete die Tragödie durch eine poetische Sprache und konzentrierte die handlung auf wenige (drei) Tage. Erst Shakespeare machte die Tragödie zu einem weltberühmten Drama.
NEUMEIERS “Romeo und Julia”
Der Choreograph und Schöpfer dieser Fassung von “Romeo und Julia” mit Musik von Sergej Prokofiew
John Neumeier, geboren 1939 in Milwaukee, USA, wurde 1963 von John Cranko als Tänzer und später als Solist an das Stuttgarter Ballett geholt, wo er bis 1969 tanzte und später auch choreographierte. Dann folgte er einem Ruf an das Frankfurter Ballett, dem er mit seiner selbst zusammengestellten Truppe schnell zu Weltruhm verhalf. Am 14. Februar hatte seine Compagnie mit der Uraufführung seiner abendfüllenden Darstellung von “Romeo und Julia” zur Musik von Sergej Prokofiew einen sensationellen Welterfolg. in den Titelrollen tanzte damals Marianne Kruuse die Julia und Truman Finney den Romeo, doch später übernahm auch Neumeier selbst diesen Part. Zu den bahnbrechenden Choreographien seiner Frankfurter Jahre gehörte auch die Umsetzung von Igor Stravinskys “Le Sacre du Printemps”. 1973 holte ihn der damalige Hamburger Staatsopern-Intendant August Everding an die Elbe, wo er ebenfalls mit der von ihm aufgebauten Compagnie, dem Hamburg-Ballett Weltruhm erzielte. Zu seinen wichtigsten Uraufführungen dort zählte gleich eine der erste , die Choreographie zu Gustav Mahlers 3. Sinfonie. Dutzende weitere folgten, bis Neumeier 2024 sein Amt als Ballettdirektor aufgab.
Ich habe im Verlauf der vergangenen 16 Jahre den größten Teil von Neumeiers Arbeiten in hamburg fotografiert und werde eine Auswahl davon hier bei “lichtundschatten.eu) in der Folge zeigen.
English translation
The tale of a tragic love
Romeo and Juliet is the story of a great love that is shattered by external circumstances and finds its fulfilment in death. The tragedy tells of two young lovers in Verona whose love is thwarted by the enmity between their families.
The background: The wealthy and influential Montague family (called ‘Montecchi’ in the Italian play) and the Capulets (Juliet’s family) have long been enemies. The hatred between them dictates life in the city of Verona
The encounter: Romeo Montague attends a grand Capulet ball in disguise and is initially unrecognised. There he meets Juliet. The two fall in love at first sight, unaware of each other’s origins. In the ballet: the first grand pas de deux.
At Romeo’s insistence, his friend, the friar Brother Lorenzo, agrees to secretly marry Romeo and Juliet. The hope of those involved is that the young couple’s great love might reconcile the families. But the opposite happens.
The catastrophe begins: during an encounter between the feuding family groups, Juliet’s cousin Tybalt provokes Romeo and challenges him to a duel. But Romeo refuses. In his place, his close friend Mercutio takes up the fight against the Capulets and is killed by Tybalt in the process. Romeo then takes up his sword, kills Juliet’s cousin and flees the city. He is subsequently banished for his deed.
Growing despair: Over the death of her cousin and the prospect of an indefinite separation from her lover, Juliet falls into a deep depression. Her parents then decide that she should marry Paris, whom she naturally does not love. Juliet refuses.
In her despair, she confides in Brother Lorenzo, who presents her with a plan designed to prevent the marriage to Paris and reconcile the two families. Juliet is to take a sleeping potion that will put her into a death-like sleep for some time. The supposedly dead Juliet is initially laid out in the Capulet family crypt, alongside the body of her cousin Tybalt, amidst great sympathy.
The tragic ending: Unfortunately, Lorenzo has not informed Romeo of his plan in time. The young Montague learns of the death of his beloved young bride on the outskirts of Verona. He rushes to the Capulets’ tomb, where he finds the seemingly dead Juliet, but believes her to be dead. In his deepest despair, he takes poison and dies beside her. Julia then awakens, finds her dead lover and kills herself with his dagger.
Faced with the cruel end to this love story, the Capulet and Montague families realise the futility of their hatred. But reconciliation comes too late for Romeo and Juliet.
The magnificent story of Romeo and Juliet is NOT based on historically verifiable facts. Whilst there were indeed two wealthy families in Verona, the Capulets and the Montagues, they are not believed to have been as bitterly feuding as depicted in the play, nor is there any evidence that they had children named Romeo and Giuletta. With their novellas, Bandello and da Porto were likely drawing on social reservations and prejudices prevalent in their time, which were ultimately addressed by Leonard Bernstein in his ‘West Side Story’ some 400 years later.
Its Italian origins (15th–16th centuries)
Luigi da Porto (c. 1530) wrote the first known version of Romeo and Giulietta and their families, the Montecchi and Capuleti. This first version is also set in Verona
Matteo Bandello retells the story in the form of a novella and spreads the tale “of the tragic death of two unfortunate lovers, Romeo and Giulietta – La sfortunata morte di due infelicissimi amanti, Novelle II,9” (source: Wikipedia) – further across Europe
From Italy, the touching love story in the form of Bandello’s novella found its way to England in the form of translations and adaptations, for example by William Painter
Arthur Brooke published his version of the “Tragical History of Romeus and Juliet” (1562), which was to become the most important source for William Shakespeare. He largely adhered to the plot devised by Brooke (and his Italian predecessors), but expanded upon it further.
Shakespeare, in turn, developed the individual characters, particularly the minor ones, intensified the tragedy through poetic language, and condensed the action into a few (three) days. It was Shakespeare who first turned the tragedy into a world-famous drama.
NEUMEIER’S “Romeo and Juliet”
The choreographer and creator of this version of “Romeo and Juliet” with music by Sergei Prokofiev
John Neumeier, born in 1939 in Milwaukee, USA, was recruited by John Cranko in 1963 as a dancer and later as a soloist for the Stuttgart Ballet, where he danced until 1969 and later also choreographed. He then accepted an invitation to join the Frankfurt Ballet, which he quickly helped to achieve world fame with his own company. On 14 February, his company achieved a sensational global success with the world premiere of his full-length production of “Romeo and Juliet” to the music of Sergei Prokofiev. In the title roles at the time, Marianne Kruuse danced Juliet and Truman Finney danced Romeo, though Neumeier himself later took on this role as well. Among the groundbreaking choreographies of his Frankfurt years was also his adaptation of Igor Stravinsky’s “Le Sacre du Printemps”. In 1973, the then director of the Hamburg State Opera, August Everding, brought him to the Elbe, where he also achieved world fame with the company he had built up, the Hamburg Ballet. One of his most important world premieres there was the very first choreography to Gustav Mahler’s Symphony No. 3. Dozens more followed until Neumeier stepped down as ballet director in 2024.
Over the past 16 years, I have photographed the majority of Neumeier’s works in Hamburg and will be showing a selection of them here on “lichtundschatten.eu” in due course.

