Die Kuppel der Galerie Lafayette, aufgenommen, wie alle Fotos unserer Paris-Reise mit dem Smartphone Xiaomi 15 Ultra        Hier finden Sie die Bilder zu diesem Beitrag

English version to follow 

TEIL 1 – Vor knapp 60 Jahren habe ich als Teenager zum ersten Mal Paris besucht. Es gehörte nicht viel dazu, sich als 19-Jähriger in diese Stadt zu verlieben. Der Ruf der Metropole, vor allem bei den Roman- und Geschichtenschreibern, ist so, dass man sich deren Einfluss nur schwer entziehen mag. Die KI-Suchmaschine ChatGPT schätzte auf Anfrage die Zahl der Romane und Erzählungen “über alle Genres hinweg, die historisch über Paris geschrieben wurden oder deren Handlung in Paris spielt” auf 4000 bis 6000. Natürlich haben meine Frau und ich uns davon nicht beeinflussen lassen, als wir uns entschlossen, endlich wieder in die französische Hauptstadt zu reisen, auch wenn so mancher Freund sofort die Worte hervorstieß: “Ah, die Stadt der Liebe!”

Probe-Sitzen vor Sacre Coeur – Wie lange diese Ehe wohl hält? 

Es war unsere dritte gemeinsame Reise an die Seine. Bei der ersten, Anfang der 1980er Jahre, verpassten wir um ein Haar den Flug in London, die zweite dann 1991 nach dem Golfkrieg von Israel aus, und auch jetzt wieder eine Reise mit Hindernissen, denn den Flug im September mussten wir wegen eines geplanten Generalstreiks und möglicher Unruhen in Paris um sechs Wochen verschieben. Das hieß: “Adieu” Sommerwetter mit blauem Himmel und stattdessen überwiegend Grau in Grau. Nicht gut fürs Fotografieren.

Der Charme ist weg, die Schönheit bleibt?

Seit unserem letzten Besuch vor über 30 Jahren hat die Stadt etwas von ihrem alten Charme verloren. Vermutlich ist es der Massentourismus. Der hat sich seit meiner ersten Visite 1966 nach Schätzungen von etwa 15 Millionen pro Jahr auf über 48 Millionen (darunter 22 Millionen aus dem Ausland) mehr als verdreifacht. Heute werden alle zentralen Touristenattraktionen selbst im Oktober noch von zahllosen Urlaubern belagert. Dennoch bleibt Paris wunderschön, ein Gesamtkunstwerk, voller Motive für einen Reisefotografen. Und abseits der Touristenströme finden wir Teile dieses alten Paris wieder. Beim Spaziergang durch das 18. Arrondissement (Montmartre) mit seinen vielen steilen Treppen etwa. Touristen werden hier zwar täglich en masse mit Bussen vor Sacre Coeur abgeladen und ziehen meist nach ein paar Selfies wieder ab. Doch die meisten Gassen abseits der üblichen Touristenströme bleiben vollständig in französischer Hand. 

Welche Politiker haben den Bau eines solchen Ungeheuers erlaubt? 

Die Bäume entlang der großen Boulevards waren bei unserer Ankunft noch ziemlich grün, die Tagestemperaturen früh-herbstlich, als wir unsere Spaziergänge begannen. Dies war noch nicht die Zeit für das trist-traurige “Autumn Leaves”, das französische Chanson vom Abschieds, von dem ich Dutzende Versionen besitze.

(am Rande: Die bei weitem beste und berührendste Aufnahme dieses Lieds stammt übrigens von Eva Cassidy, einer US-amerikanischen, begnadeten Sängerin, die 1996 mit nur 33 Jahren an Pankreas-Krebs starb. Hier der Link zu Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=xXBNlApwh0c ). Die Originalfassung Les Feuilles Mortes stammte übrigens aus dem Jahr 1945; Komponist war Joseph Kosma.) 

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Doch dann kam leichter Regen auf. Unter grauem Himmel und bei heftigem, kalten Wind wirkt auch Paris “sachlich”, und ein 15-minütiger Verkehrsstau auf der Pont Neuf dämpfte die Vorfreude auf einen Stadtbummel im verstopften Quartier Latin merklich. Selbst die sonst im Sonnenlicht blitzweiß strahlende Kirche von Sacre Coeur wirkte ohne jede Sonne aus der Distanz plötzlich Beton-Grau und schattenlos flach! Das eigentliche Ziel unseres Paris-Besuchs, das grandios restaurierte Innere der vor sechs Jahren ausgebrannten Kathedrale von Notre Dame, und damit ein idealer Zufluchtsort bei schlechtem Wetter, wurde für uns leider unerreichbar. Tickets für deren Besuch über das Internet sind allnächtlich nach Minuten ausverkauft; und die endlosen Schlangen Tausender wartender Touristen auf dem Platz vor der Kirche konnten uns nicht mehr locken. Also hielten wir uns an den weisen Ratschlag meines viel gereisten Großvaters (gestorben 1958): “Berge von Unten, Kirchen von Außen und Wirtshäuser von Innen!” 

Wir beließen es danach bei Spaziergängen, ignorierten (fast!)den grandiosen Eiffelturm (Berge von unten, Sie wissen schon!), passierten die belagerte Glaspyramide vor dem Louvre, fuhren drei Stunden im Hop-on-Hop-off-Bus, fuhren die Seine rauf und runter (eine Erfahrung Grau in Grau), schlenderten von Sacre Cour zum Montmartre-Friedhof (bei Sonnenschein), besuchten dort das Grabmal Emil Zolas, des großen Schriftstellers und Journalisten, der mit seiner Recherche zur Verbannung des jüdischen Offiziers Dreyfus (J’accuse! – Ich klage an!) dessen vollständige Rehabilitierung bewirkte. Und wir speisten zum Abschluss unserer Reise in einem “Bouillon” (nein, nicht in einer heißen Brühe, sondern einer ehemaligen Suppenküche nahe dem Montmartre Boulevard). Bilder zu alledem gibt es in Kürze auf dieser Seite.

Bilder mit dem Handy?

Für die fotografische Begleitung unserer Reise hatte ich eine minimalistische Wahl getroffen. Obwohl ich meine übliche Kameraausrüstung von Fuji mit nach Paris geschleppt hatte, wollte ich testen, ob man als engagierter Reisefotograf eine mit Baudenkmälern und Motiven vollgestopfte Metropole nicht auch nur dem Smartphone fotografieren könnte. In diesem Jahr ist das neueste Spitzenmodell des chinesischen Herstellers Xiaomi, das “Xiaomi 15 Ultra”, auf den Markt gekommen, von dem Fachleute schwärmten, es könne mit seinen 230 Gramm eine ganze Fotoausrüstung ersetzen. Möglich würde dies durch eine Kombination von vier klitzekleinen Objektiven, die angeblich von der deutschen Kamera-Schmiede Leica mit-entwickelt wurden.

Dieses “Handy” schafft es tatsächlich! Das smarte Camera-Phone erleichtert es engagierten Fotografen, in einem touristischen Zentrum wie Paris weitgehend unbeobachtet die Welt um sich herum zu fotografieren. Alle Fotos dieser Reise entstanden mit dem kleinen Gerät und die  Qualität der Aufnahmen verblüfft mich noch immer. Vom 14mm-Super-Weitwinkel (wie die Aufnahme der Kuppel im Lafayette oder vom Fuß des Eiffelturms) bis zum langen Teleobjektiv (400+mm) ist damit vieles möglich. Und vergesslich gewordene Fotografen können sich darauf verlassen, dass ihnen zuhause die GPS-Daten des Handys genau mitteilen, wo sie ihre Bilder aufgenommen haben. 

Die prächtigen Passagen von Paris bieten Gästen bei schlechtem Wetter Zuflucht in Cafés und Bistros

Teil 1 – Spaziergang auf den Grands Boulevards   

Wir hatten ein Zimmer in dem relativ kleinen aber hübschen Hotel Lautrec-Operá im 2. Arrondissement gebucht, etwa 100 Meter von den Boulevards Montmartre und Hausmann und 15 Minuten zu Fuß zum Louvre entfernt. Wie alle alten Hotels in Paris zeichnet es sich durch zum Teil winzige und oft hellhörige Zimmer und ihren sehr hohen Übernachtungspreis aus. Aber immerhin lebte hier einst der berühmte Henri Toulouse Lautrec, und da darf es schon etwas teurer sein. Doch das Personal war, nicht nur hier, ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Die Lage ist für Touristen fantastisch. Gleich um die Ecke besuchten wir zwei der schönsten überdachten Passagen der Stadt am Montmartre Boulevard. Danach pilgerten wir entlang des Boulevard Hausmann zur Galerie Lafayette mit ihrer faszinierenden Kuppel und dem weiten Blick über die Dächer von Paris. Allerdings muss man akzeptieren, dass dieses Edel-Kaufhaus  bei freiem Eintritt vor allem mit jungen Touristen aus Asien überflutet ist.

Die Dächer von Paris waren im Gegenlicht auf dem Smartphone kaum zu erkennen. Doch die Kamera schaffte es.

An diesem ersten Abend trafen wir uns im Quartier Latin mit alten Freunden im wunderschön eingerichteten und trotz vieler Touristen sehr französisch wirkenden Restaurant “Le Procope”, wo wir traditionell französisch speisten und trotz der feinen Umgebung nur mittlere Hamburger Preise zahlten! Am nächsten Morgen bestiegen wir bei heftigen, kalten Winden einen Hop-on-Hop-off-Bus an der Operá Garnier und erlebten den ersten Regenschauer. Bilder dazu in Kürze auf “lichtundschatten.eu”. 

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English version

Here you can find the pictures for this post

PART 1 – Almost 60 years ago (1966), as a teenager, I fell in love with Paris on a sunny day in the height of summer. Since then, I had visited the city four times, and now it was finally time to go back. Of course, after all these years and knowing about the chronic problems of the Seine metropolis, it was clear to us that Paris is not the city of love that romantic stories and schmaltzy songs of the 1950s still sing about through rose-tinted glasses. The reality: we had to postpone our flight in September by six weeks due to an announced general strike and possible unrest during our five-day stay, thus foregoing the summer weather with constant sunshine predicted by the weather service.

The charm is gone, but the beauty remains?

Since our last visit in 1991, mass tourism and the terrible terrorist attacks of the past decades have robbed the city of some of its old charm. Even in October, all the central tourist attractions are still besieged by countless tourists. Nevertheless, Paris remains beautiful, full of motifs for a travel photographer. Away from the tourist crowds, we rediscover parts of this old Paris. For example, when walking through the 18th arrondissement (Montmartre) with its many steep stairs. Tourists are dropped off here by bus in front of Sacre Coeur and usually leave again after taking a few selfies. Most of the alleys still seem to be completely in French hands.

Which politicians allowed the construction of such a monstrosity?

The trees along the grand boulevards were still quite green when we arrived, and the daytime temperatures were early autumnal when we began our walks. It was not yet the time for ‘Autumn Leaves’, the French chanson of farewell, of which I own 37 versions. Incidentally, by far the best and most moving recording is by Eva Cassidy, who died of pancreatic cancer in 1996 at the age of only 33. like many other of her beautiful songs, here version of Autumn Leaves was only published after her death. Here is the link to YouTube: https://www.youtube.com/watch?v=xXBNlApwh0c ).

Paris in the sun and under shady avenues. But then a light rain began to fall. And under grey skies and a strong, cold wind, even Paris seems rather ‘businesslike’, and a 15-minute traffic jam on the Pont Neuf noticeably dampened our anticipation of a stroll through the congested Latin Quarter. Even the Sacré-Cœur Basilica, which usually gleams bright white in the sunlight, suddenly looks concrete grey and shadowless from a distance without the sun! The actual destination of our visit to Paris, the magnificently restored interior of Notre Dame Cathedral, which burned down six years ago, an ideal refuge in bad weather, became unattainable for us. Tickets for visits are sold out within minutes every night on the internet, and the endless queues of thousands of waiting tourists on the square in front of the church are no longer appealing to an almost 80-year-old. So we followed the wise advice of my well-travelled grandfather (who died in 1958), who once recommended: ‘Churches from the outside, mountains from below and Pubs from the inside!’ (He died at the then ripe old age of 83 while on holiday in Italy!).

We then limited ourselves to walks, ignored the magnificent Eiffel Tower (mountains from below, you know!), passed the glass pyramid in front of the Louvre (‘The Mona Lisa looks the same as always,’ we were told), took a three-hour hop-on hop-off bus tour, travelled up and down the Seine (a grey and dreary experience), strolled from Sacré-Cœur to the Montmartre Cemetery (in sunshine), visited the tomb of Émile Zola, the great writer and journalist who, with his investigation into the bannishment/exile of the Jewish officer Dreyfus (J’accuse! – I accuse!), brought about his complete rehabilitation. And we ended our trip with a meal in a ‘bouillon’ (no, not a hot broth, but a former soup kitchen near Montmartre Boulevard). Pictures of all this will be available on this page shortly.

Pictures with a mobile phone?

I had made a minimalist choice for the photographic accompaniment of our trip. Although I had brought my usual Fuji camera equipment with me to Paris, I wanted to test whether, as a dedicated travel photographer, it was possible to photograph a metropolis crammed with monuments and motifs using a smartphone. This year, Chinese manufacturer Xiaomi launched its latest top-of-the-range model, the ‘Xiaomi 15 Ultra’, which experts believe could replace an entire camera kit with its 230 grams. This is made possible by a combination of four tiny lenses, which were reportedly co-developed by German camera manufacturer Leica.

And this ‘mobile phone’ actually does the job! The new camera phone makes it easier for keen photographers to take pictures of the world around them in a tourist centre like Paris without being noticed. All the photos from this trip were taken with a smartphone, and I’m still amazed by the optical quality of the images. From 14 mm super wide angle to long telephoto lens (400+ mm), it offers a wide range of possibilities, and forgetful older photographers can rest assured that the mobile phone’s GPS data will later tell them exactly where they took their many pictures.

The magnificent passages of Paris offer guests refuge in cafés and bistros when the weather is bad.

Part 1 – Stroll along the Grands Boulevards

We had booked a room in the relatively small but very pretty Hotel Lautrec-Operá in the 2nd arrondissement, about 100 metres from the Boulevards Montmartre and Hausmann. Like all old hotels in Paris, it is characterised by rooms that are sometimes tiny and often noisy, and their very high room rates. But at least the famous painter Henri Toulouse Lautrec once lived here, so it’s okay if it’s a little more expensive. However, the staff, not only here, were extremely friendly and helpful. The location was fantastic for tourists. Just around the corner, we visited two of the city’s most beautiful covered passages on Montmartre Boulevard. Then we made our way along Boulevard Hausmann to the Galerie Lafayette with its fascinating dome and sweeping view over the rooftops of Paris. However, you have to accept that this upmarket department store is completely overcrowded with young tourists from Asia, especially as admission is free.

The rooftops of Paris were barely visible in the backlight on the smartphone. But the camera managed it.

On this first evening, we met up with old friends in the Latin Quarter at the beautifully decorated and, despite the many tourists, very French-looking restaurant ‘Le Procope’, where we enjoyed a traditional French meal and, despite the fine surroundings, only paid average Hamburg prices! The next morning, in strong, cold winds, we boarded a hop-on hop-off bus at the Opéra Garnier and experienced our first rain shower. Pictures will be available soon at ‘lichtundschatten.eu’.